Über Kleinstadtcharme
Dieser Text ist kein klassisches „Über mich“. Er beschreibt die persönliche Perspektive, aus der dieses Magazin entsteht: Orte, Übergänge und Fragen nach dem eigenen Leben.
Die Idee für Kleinstadtcharme war kein lange geplanter Entschluss, sondern ein plötzlicher Einfall, der aus dem Tohu wa-bohu des Alltags über mich hereinbrach. Ausgelöst durch das Ereignis, dass Björn und ich über ein Haus in einer Kleinstadt gestolpert sind. Wir haben nicht danach gesucht – das Haus hat uns gefunden. Als wir nach der Besichtigung im Garten standen, uns anlächelten, noch erfüllt von den ersten Eindrücken, war die Entscheidung bereits gefallen, bevor sie ausgesprochen wurde. Einige Wochen später war der Kauf besiegelt. Und mit ihm begann ein neuer Lebensabschnitt. Der Hauskauf veränderte unseren Alltag – zunächst ganz praktisch, durch Umbaupläne, Grundrisse und Einrichtungsideen. Sehr schnell stellten sich jedoch andere Fragen. Fragen nach Familie, nach Zukunft, nach dem Leben, das wir führen wollten. Wie viel lässt sich planen? Wie offen muss ein Leben bleiben? Wie viele Kinder, welche Räume, welche Rhythmen? Und vor allem: Wie wollen wir denn eigentlich leben?
Kleinstadtcharme ist der Versuch, dieses sich verändernde Leben festzuhalten und zu reflektieren. Nicht als Tagebuch, sondern als fortlaufende Beobachtung. Als persönliches Online-Magazin zwischen Alltag und Essay, zwischen Erfahrung und Analyse. Es geht um das Ankommen an Orten, um Zeit und Rhythmus, um Räume, die Entscheidungen prägen – und um Veränderungen, die sich oft erst im Rückblick zeigen.
Ich habe lange nicht geschrieben. Zumindest nicht in dieser Form. Schreiben war für mich immer ein innerer Ort. Ich habe Texte interpretiert, Gedanken gesponnen, mich in Autoren und Künstler hineinversetzt und versucht zu verstehen, was sie bewegt haben könnte. Eigene Geschichten habe ich selten aufgeschrieben. Es fehlte der Mut – und vielleicht auch das Gefühl, dass es sinnvoll und wichtig ist, das Eigene festzuhalten. Erst mit der Zeit hat sich das verändert. Vierunddreißig Jahre später habe ich genug Erfahrungen gesammelt, um über mein Leben zu schreiben. Nicht, weil ich davon ausgehe, dass es jemanden interessieren muss, sondern weil es mich interessiert. Weil Schreiben für mich zu einem Mittel geworden ist, um das eigene Denken zu ordnen – ohne es festzuschreiben. Heute ist Schreiben für mich das, was Malen in meiner Jugend war. Ein erdender und ordnender Prozess. Das Nachdenken bringt mich zum Schreiben, und das Schreiben schärft den Blick auf das Denken selbst. Es klingt paradox, aber während ich über mein Leben reflektiere, verliere ich mich im Schreiben – und löse mich für einen Moment von dem, was mich zuvor beschäftigt hat.
Dieses Magazin macht Veränderungen sichtbar. Nicht die abrupten, sondern die allmählichen. Die Bewegung vom Dorf in die Metropolen und zurück. Vom internationalen Leben zur bewussten Reduktion. Von festen Vorstellungen hin zu offeneren Entwürfen. Es geht um Stil und Alltag, um Mutterschaft, um Zeit für Kreatives, um Freundschaften, um Berufung und den eigenen Platz im Leben.
Kleinstadtcharme ist kein abgeschlossener Entwurf. Es ist ein fortlaufender Denk- und Beobachtungsraum für die Frage, wie wir leben wollen – und wie sich diese Frage im Laufe der Zeit verändert.